Wiedereinstieg nach den Liposuktionen bei Lipödem

Die Liposuktionen bei Lipödem gelten als die einzige Therapie, um das Krankheitsbild einzudämmen und mit großer Wahrscheinlichkeit ein weiteres Fortschreiten zu verhindern.

Viele Lipödem-Patientinnen pflegen ein ambitioniertes Sportprogramm, um das Krankheitsbild zumindest ein wenig in Schach zu halten und einer Gewichtszunahme aufgrund des oft eingeschränkten Stoffwechsels entgegen zu wirken. Da macht ein Operationsmarathon, der sich über mehrere Monate zieht, erst einmal den Anschein einer störenden Sportpause mit welcher im Normalfall ein Formverlust einhergeht.

Aber ist das tatsächlich so? Nach drei abgeschlossenen Operationen (Unter- und Oberschenkel sowie Arme) kann ich erfreulicherweise berichten, dass es nicht so ist! Aber wie sollte man sich nach den Operationen verhalten und wie sehen die ersten Schritte zurück in einen sportlichen Alltag aus? Ich habe euch nachfolgend meine Erfahrungen zusammengefasst.

LAUFEN, LAUFEN, LAUFEN

Direkt nach den Operationen ist laufen bzw. Bewegung das A und O. Wenn der Kreislauf es zulässt, dann sollte man direkt nach der Operation noch am gleichen Tag loslegen. Auch wenn die Bewegung in den ersten Tagen meist noch etwas wackelig und langsamer vonstatten geht, so hilft sie ungemein gegen die Nachwehen der Operation.

Zum einen wird der Kreislauf angeregt, der durch den Verlust von Körpermasse und Hämoglobin-Abfall aufgrund von Blutverlust meist etwas geschwächt ist. Zum anderen kann Bewegung helfen, dass die operierten Bereiche schneller abschwellen bzw. gar nicht erst so stark anschwellen. Wichtig ist hierfür, dass insbesondere die Bewegung in der Flachstrickkommpression Wunder bewirken kann, denn die Fasern haben im Zusammenspiel mit Bewegung und Muskelkontraktionen einen ähnlichen Effekt wie die Lymphdrainage.

So wichtig die Bewegung aber auch ist, mindestens genauso wichtig ist die Regeneration und Erholung für den Körper. Daher sollte man sich zwischen seinen Spaziergängen regelmäßig rausruhen und bestmöglich die frisch operierten Beine (oder Arme) hochlagern. Gegen die Schmerzen und die Schwellungen kann man zusätzlich noch kühlen.

 

Mein Tipp

In meinem Fall trifft die Aussage "Laufen, laufen, laufen" vollkommen zu. Nach der ersten Operation (Unterschenkel) bin ich bereits am zweiten Tag nach der Operation, als die Verbände ab waren, über 20 Kilometer durch die Gegend spaziert. Natürlich mit kurzen Pausen zwischendurch in denen ich meine Beine hochgelegt und gekühlt habe. Hierfür kann ich dieses Venenkissen wärmstens empfehlen.

Aber dieses Pensum, was ich auch in den nachfolgenden Tagen beibehalten habe, hat dafür gesorgt, dass die Schwellung gar nicht so stark geworden ist, der Schwellhöhepunkt schon ein paar Tage früher erreicht wurde (ca. an Tag 6, sonst spricht man von Tag 10) und sich somit dann auch viel früher verflüchtigt hat.

Man sollte angesichts der Kilometeranzahl bedenken, dass ich auch vor den Operationen viel zu Fuß erledigt habe und es ja auch aufgrund meines Laufhobbies gewohnt bin, viele Kilometer in den Beinen zu haben. Trotzdem gilt auch für Betroffene, die vor den Operationen weniger Kilometer geschrubbt haben, Laufen ist das A und O. Also fleißig spazieren und der Körper zeigt einem schon früh genug, falls man ihn doch überfordern sollte.

WIEDEREINSTIEG IN DEN SPORT

Ein Großteil der behandelnden Operateure sind der Ansicht, dass direkt nach der Operation wieder alles möglich ist, wenn man denn auf seinen Körper hört. Ein Sportverbot für die Zeit nach dem Eingriff gibt es also nicht. Es gibt zwar auch die andere Seite, Operateure, die nach den Liposuktionen eine Sportpause von 6-Wochen empfehlen, aber nachdem ich die Operationen selbst durchgemacht habe, kann ich sagen, dass dies ganz und gar nicht nötig ist. 

Mein Tipp

In den ersten 8 Wochen nach der Operation muss man sich über die Hosenwahl ja erst einmal keine Gedanken machen. Die Flachstrick ist ein treuer Begleiter und man ist, vielleicht anders als vor der Operation, dankbar für diese medizinische Unterstützung. Aber auch nach der angeordeneten Tragezeit fühlt sich Bewegung ohne Kompression erst einmal nicht so richtig an. Ich habe daher beim Sport die Flachstrick noch deutlich länger getragen und bin nach etwa vier Monaten auf die sogenannte "Wunderhose" von Anita umgestiegen. Die Hose bietet auch noch eine gewisse Kompression (KKL 1), ist aber nicht so starr wie die Flachstrick (normalerweise KKL 2 oder maximal KKL 3).

Nach 10 Tagen bis 2 Wochen ist man gut in der Lage wieder Sport zu treiben. Natürlich nur soweit, wie es der Körper zulässt und wie es einem gut tut. Der Körper gibt einem aber recht deutlich zu verstehen, was geht und was nicht. Gerade nach der Unterschenkel-Operation hatte ich wegen der Schwellung im Kniegelenk noch einige Zeit Probleme mit tiefen Kniebeugen. Darauf habe ich dann aber einfach verzichtet. Und auch nach Arm-Operation hatte ich noch längere Zeit Probleme mit einem Schwächegefühl in den Amen und habe in der Zeit einfach auf zu schwere Gewichte für das Armtraining verzichtete.

Meiner Meinung nach bringt es einem deutlich mehr relativ früh wieder in ein reduziertes Training einzusteigen, als so lange zu pausieren bis man wieder ohne Einschränkungen trainieren kann. Bei einer Trainingspause, die länger als 2 Wochen geht, bemerkt man beim Wiedereinstieg schon einen deutlichen Formverlust. Durch die wiederholten Sportpausen bei mehreren Operationen kommt es so schnell zu einem ungewollten Abtrainieren, was ein anstrengendes Trainings zurück zur alten Form mit sich zieht.

Mein Tipp

Auch wenn man sich mit den von Hämatomen übersäten Beinen und Armen anfänglich nicht unbedingt im Schwimmbad zeigen möchte, so sollte man an dieser Stelle auf jeden Fall über seinen Schatten springen. Bei meiner ersten Operation, den Unterschenkeln, hatte ich leider längere Zeit Probleme mit einer Einstichstelle, die nicht richtig verheilen wollte und konnte so erst nach drei Wochen ins Schwimmbad. Bei den nachfolgenden Operationen habe ich daher einen deutlichen Unterschied gemerkt, was Schwimmen in der Heilphase bewirken kann. Um die blauen Flecken und Hämatome schnell abklingen zu lassen, habe ich Arnikasalbe genutzt und war wirklich positiv überrascht, wie schnell sich die blau-grünen Flächen zurückgebildet haben.

Was zwar oft erwähnt, aber völlig unterschätzt wird, ist das Schwimmen. Sobald die Fäden gezogen sind (ca. 1 Woche nach der OP) und die Einstichstellen alle verheilt sind, kann man wieder loslegen. Die Bewegung im Wasser bewirkt tatsächlich Wunder! Meiner Meinung nach ist eine Stunde Schwimmen sogar effektiver als eine Stunde manuelle Lymphdrainage. Man merkt spürbar, dass die Schwellungen zurückgehen und noch dazu hat die Bewegung im Wasser einen positiven Effekt auf die überschüssige Haut, die sich nach den Operationen ja erst wieder zurückbilden muss.

Aber wichtig ist, erst dann Schwimmen zu gehen, wenn die OP-Wunden sicher zu sind. Andernfalls besteht das Risiko, sich durch eventuelle Keime im Wasser eine Entzündung der Operationswunden zuzuziehen. Insbesondere weil der Körper nach der Operation bereits geschwächt ist.

WIEDEREINSTIEG IN DAS LAUFEN

Der Einstieg in das Laufen gestaltet sich bei jeder Operationsgegend ein wenig anders. Nach den Beinoperationen, egal ob Unter- oder Oberschenkel, braucht der Körper natürlich etwas länger um mit den Laufbewegungen und insbesondere den Erschütterungen bei jedem Schritt zurecht zu kommen. Nach der Armoperation hingegen, ist man sehr viel schneller wieder bereit zu laufen.

Mein Tipp

Gerade nach der Unterschenkel-Operation fühlt sich der operierte Bereich lange sehr instabil und "roh" an. Auch aufgrund der, nach der OP etwas zu lockeren, Flachstrick hatte ich daher das Gefühl meinen Unterschenkeln nicht ausreichend Kompression bieten zu können. Daher habe ich erst einmal über meine Flachstrickkompression zusätzliche Laufkompressions-Kniestrümpfe von CEP gezogen. So fühlte ich mich beim Laufen deutlich sicherer. Glücklicherweise fielen meine Operationen in den Winter, so dass ich über eine zusätzliche Lage eher froh als unglücklich war. Für alle anderen, es gibt die Socken auch in ultraleichter Ausführung.

Bei den Beinoperationen habe ich jeweils 2 1/2 Wochen gewartet, bevor ich wieder die Laufschuhe geschnürt habe. Besonders bei den Unterschenkeln waren die ersten 2-3 Einheiten noch sehr vorsichtig und langsam, da ich die Erschütterung an den operierten Bereichen so gering wie möglich halten wollte. Aber nach etwa einer Woche lief es sich schon wieder ziemlich gut und noch viel besser, es lief sich dank des entfernten Lipödem-Fetts so leicht wie nie zuvor. Bei den Oberschenkeln konnte ich bereits den ersten Lauf etwa 2 1/2 Wochen nach der Operation wieder normal vollziehen.

Mein Tipp

Das Laufen mit der Flachstrickkompression hat bei mir (gerade aufgrund des eingearbeiteten Reissverschlusses am Bund) immer wieder zu Scheuerstellen geführt. Einmal Probleme mit den wundgescheuerten Stellen, macht es jede weitere Laufeinheit in der Strumpfhose meist nur noch schlimmer. Mittlerweile nutze ich daher das Gel von Pjuractive, um Scheuerstellen und daraus resultierende Narbenbildung vorzubeugen. Das Gel wirkt auch Wunder bei Problemen mit scheuerndem Sport-BH oder Pulsgurt der Laufuhr, also werde ich dem Produkt wohl auch nach meiner Zeit in der Flachstrick treu bleiben.

Wichtig ist gerade beim Laufen, dass die Tragezeit der Flachstrickkompression von etwa 8 Wochen nach der Operation eingehalten wird. Da das Laufen durch die entstehenden Fliekräfte noch einmal eine stärkere Belastung für das Gewebe ist als andere Sportarten, ist es wichtig die operierten Extremitäten hier so lange wie möglich zu unterstützen.

Und selbst nach Ablauf der 8 Wochen macht es Sinn, die Kompression weiterhin zumindest beim Laufen zu tragen. Auch wenn man es sich vorher meist nicht vorstellen kann, die Kompression auch nur einen Tag länger als nötig zu tragen, auch nach den gut zwei Monaten spürt man die operierten Partien noch deutlich und bekommt langsam ein Gefühl dafür, was das oft genutzte Wort “Heiljahr” bedeutet.

Mein Tipp

Selbst ein halbes Jahr nach den Bein-Operationen laufe ich noch nicht ohne Kompression an den Beinen. Bei langen Läufen über 20 km greife ich noch immer auf die Flachstrickkompression zurück, da sie die zuverlässigste Unterstützung für mein Gewebe bietet. Bei allen anderen Laufeinheiten nutze ich mittlerweile die Run Tight 2.0 von CEP (für alle Flachstrickerfahrenen, dies ist die Sportmarke der Firma medi). Diese bietet meinem Gefühl nach zu urteilen noch einmal etwas mehr Unterstützung als die obengenannte "Wunderhose" von Anita und ist mir daher für die höhere Belastung beim Laufen lieber.

KONTINUITÄT TROTZ SPORTPAUSEN

Bei einem Marathon von meist 3-4 anstehenden Liposuktionen in einem Abstand von ca. 8-10 Wochen käme man schnell auf über ein halbes Jahr Sportpause, wenn man zwischen den Operationen nicht wieder regelmäßig sportlich einsteigt. Wenn man sich an den Wiedereinstieg nach einer nur 2-wöchigen Erkältungspause zurückerinnert, möchte man sich am liebsten gar nicht vorstellen, wie es einem nach einer derart langen Pause ergehen würde. Der Verlust der Ausdauer und der Muskelkraft wäre extrem groß und der Körper müsste gefühlt von Null anfangen, die vorherige Form erneut aufzubauen.

LIPOSUKTION = SPAZIERGANG?

Die Liposuktionen bei Lipödem sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn immerhin ist es ein größerer Eingriff für den Körper. Aber man sollte nach den Operationen auch nicht zu ängstlich und vorsichtig mit dem eigenen Körper umgehen, denn dies zögert den Heilungsverlauf und den Weg zurück in den gewohnten Alltag nur unnötig hinaus. Man sollte seinen Körper ruhig fordern und wird schnell merken, dass doch mehr möglich ist, als man ursprünglich dachte. Sollte man vielleicht doch etwas übermütig werden, so wird es einem der eigene Körper schon früh genug zu verstehen geben und man kann immer noch einen Gang zurück schalten.

Mein Tipp

Nach den Liposuktionen selbst, aber auch durch das pausenlose Tragen der Flachstrickkompression wird die Haut ziemlich angegriffen. Da macht es das Laufen in der Strumpfhose über die 8 Wochen hinaus natürlich kein Stück besser. Ich habe in der Zeit gute Erfahrung mit dem Frei Öl gemacht, was auch gegen Narben und Dehnungsstreifen hilft. Zum einen hat meine Haut damit nicht mehr durchgängig geschuppt und zum anderen habe ich das Gefühl, dass das Öl auch die Narben ein wenig besser verblassen lässt. Die schuppige Haut ist glücklicherweise ein gutes halbes Jahr nach den Operationen Geschichte, aber die Narbenpflege geht weiter. Neben dem obengenannten Öl nutze ich daher auch das Bepanthen Narbengel, um die kleinen Narben hoffentlich bald ganz verschwinden lassen zu können.

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