Rückblick auf mein Laufjahr 2018

Woran merkt man am meisten, dass man alt wird? Die Zeit rast plötzlich nur so dahin und ein Jahr jagt das andere. Genau so erging es mir mit 2018. Gerade noch habe ich meinen Jahresrückblick für 2017 geschrieben, Pläne für 2018 geschmiedet und schon ist schon wieder alles vorbei. Heißt dann wohl oder übel, dass ich langsam alt werde?

Wie auch in den letzten Jahren nutze ich die letzten Tage des Jahres um zurückzublicken und Resümee zu ziehen, wie 2018 läuferisch für mich verlaufen ist.

MOTIVATION & ZWEIFEL

Nachdem das Jahr 2017 mein wohl bisher bestes Laufjahr war, startete ich mit großen Erwartungen in das neue Jahr. Ich hatte große Ziele. Noch mehr Laufkilometer und noch mehr Bestzeiten sollte es geben.
Auf der anderen Seite hatte ich aber auch im Hinterkopf, dass in der Vergangenheit auf ein gutes Laufjahr meist ein eher bescheideneres Jahr folgte. Um es noch genauer auszudrücken, ungerade Jahre liefen bisher meist richtig gut, wohingegen die geraden Jahre von Verletzungen geprägt waren. Aber warum nicht aus altbekannten Mustern ausbrechen und 2018 trotz gerader Jahreszahl zu einem Top-Laufjahr machen? Leider wurde ich im Laufe des Jahres eines besseren belehrt, aber dazu später mehr.

STOLPERSTEINE & WEHWEHCHEN

Wo soll ich da nur anfangen? Das Jahr hielt gesundheitlich einige Barrieren für mich bereit. Die ersten Monate des Jahres liefen noch ganz gut. Bis auf ein paar Erkältungen zu strategisch schlechten Zeitpunkten, wie beispielsweise in der Woche des EVL-Halbmarathons. Darüber hinaus hatte ich aber mit keinen größeren Wehwehchen zu kämpfen und konnte mein Training gut durchziehen. Nachdem ich den Winter locker durchgelaufen bin, habe ich ab dem Frühjahr mein Training mit allen notwendigen Trainingskomponenten – wie langen Läufen, lockeren Dauerläufen, Tempoläufen und Intervallen – mit Blick auf die nächsten Wettkämpfe wieder etwas fundierter gestaltet und bemerkte schnell, wie das Training anschlug.

Ab Mitte des Jahres fiel mir das Training dann aber spürbar schwerer. Meine Beine wollten nicht, wie ich es wollte. Immer wieder musste ich meine Trainingsplanvorgaben auf dem Weg zu meinem geplanten Herbstmarathon über den Haufen werfen. Tempo rausnehmen, Distanzen kürzen oder sogar ganze Trainingseinheiten ausfallen lassen. Nachdem meine Beine schon seit gut zwei Jahren immer wieder schmerzten, war nun der Zeitpunkt gekommen um endlich zum Arzt zu gehen. Sobald das Laufen in Mitleidenschaft gezogen wird, ist der Leidensdruck groß genug um dann doch mal einen Spezialisten aufzusuchen. Die darauf folgende Lipödem-Diagnose öffnete mir die Augen und war unter anderem eine klare Erklärung dafür, weshalb mir das Laufen in der letzten Zeit so unglaublich schwer fiel und weshalb ich bereits in der Vergangenheit trotz engagiertem Training nur vergleichsweise kleine Leistungssprünge machen konnte.
Dennoch ließ ich mich nicht unterkriegen und lief weiter, auch wenn jeder Lauf einem Lauf über ein Minenfeld glich. Ich wusste nie, was mich erwarten würde. Mal lief es, aber meistens lief es eben auch nicht. Trotzdem kämpfte ich mich weiter durch ein halbwegs regelmäßiges Training, um zumindest den Halbmarathon in Köln vor heimischen Türen zum Abschluss der Laufsaison laufen zu können.

Die letzten drei Monate des Jahres waren für mich dann der läuferische Super-GAU. Nachdem ich zwar noch den Halbmarathon in Köln laufen konnte und somit die Laufsaison für mich einigermaßen zufriedenstellend abschließen konnte, manifestierte sich aus einem leichten Zwicken im Fuß eine handfeste Plantarfasciitis. Darauf folgte eine sofortige Laufpause sowie einige Besuche bei Orthopäden, Osteopathen und unzählige Stunden Blackroll, Dehnen und gut Zureden. Und anscheinend hat diese Kombination (allen voran natürlich die Laufpause) geholfen, so dass mich die letzte Woche des Jahres mit ein paar vorsichtigen ersten Kilometern zumindest ein wenig versöhnen konnte und ich etwas zuversichtlicher in das neue Jahr starten kann.

LAUFVERANSTALTUNGEN & WETTKÄMPFE

Anders als im letzten Jahr fielen in diesem Jahr nicht der Reihe nach die Bestzeiten, auch wenn mein Training zumindest im ersten Halbjahr ganz danach aussah.

Den Jahresauftakt gab es auf einer anspruchsvollen Strecke beim Egmond Halve Marathon in den Niederlanden. Aus dem Wintertrainingstrott heraus lief ich dort ohne jegliche Ambitionen trotz unentspannter Streckenführung doch recht entspannt ins Ziel. Erst danach ging es für mich wieder ins Training für den nächsten Halbmarathon und eine neue Bestzeit. Auf dem Weg dorthin nutzte ich den 9-Meilen-Lauf in Leverkusen als vielversprechenden Leistungscheck und intensivierte daraufhin mein Training noch einmal in den letzten Wochen für den Halbmarathon in Leverkusen, um einer neuen Bestzeit nichts im Wege stehen zu lassen. Leider machte mir eine Erkältung kurz vor dem Start meinen Traum von einer Bestzeit kaputt, aber den Start bei meinem Lieblingslauf ließ ich mir dennoch nicht nehmen.

14. Januar 2018: Egmond Halve Marathon, Egmond aan Zee (NL) – 02:30:00
01. Mai 2018: 9-Meilen-Lauf (14,4 km), Leverkusen – 01:29:16 (PB)
10. Juni 2018: EVL Halbmarathon, Leverkusen – 02:31:09

Nach dem EVL Halbmarathon nahmen meine Beschwerden in den Beinen spürbar zu, so dass ich jegliche für die Sommermonate angedachten Wettkämpfe von meiner Agenda strich.
So kam es dann schließlich auch, dass ich mich wohl oder übel gegen den geplanten Herbstmarathon in Frankfurt entscheiden musste und nur noch den Halbmarathon in Köln als Saisonabschluss bestehen ließ. Ein Schritt, welcher definitiv nicht leicht war, mir aber sofort die Last von den Schultern nahm und nachträglich betrachtet die einzig richtige Entscheidung war. Denn es wird noch einige Marathonläufe geben, sobald meine Beine wieder fit sind und unter diesen Voraussetzungen einen Marathon zu bestreiten, wäre eine sehr unvernünftiger Schachzug gewesen.

06. September 2018: B2Run Köln (5,3 km) – 00:32:48 (PB)
07. Oktober 2018: Köln Halbmarathon – 02:27:57

MEIN JAHR IM RÜCKBLICK

Tatsächlich helfen mir meine eigenen Jahresrückblicke dabei das Jahr noch einmal bewusst Revue passieren zu lassen und zu bewerten. Denn nach dem Verlauf der letzten Monate, habe ich das Jahr in meinem Kopf bereits als eines der schlechtesten Laufjahre meines Läuferdaseins abgestempelt. Dass aber eigentlich das erste halbe Jahr gar nicht so schlecht verlaufen ist, hatte ich bereits ganz vergessen und versöhnt mich nachträglich wieder ein wenig mit dem Jahr 2018.

Auch wenn mich das Jahr abschließend betrachtet trainingstechnisch nicht weitergebracht hat, sondern gefühlt um Lichtjahre zurück katapultiert hat, so konnte ich dennoch etwas mitnehmen. Denn von jedem Stolperstein, der sich einem in den Weg legt, kann man lernen. Und das durfte auch ich in diesem Jahr erfahren. Wenn der Körper einem seine Grenzen aufzeigt, heißt es nicht unbedingt immer diese Grenzen zu verschieben – auch wenn viele Sportler genau das mit ihrem Training tagtäglich versuchen. An manchen Stellen ist es aber vielleicht besser, die Grenzen einfach klug zu umschiffen und so über alternative Wege dem Ziel ein bisschen näher zu kommen.

So konnte ich an Tagen, an denen die Beine einfach nicht Laufen wollten oder die Plantarfaszie mich vom Laufen abhielt, alternative Sportarten wie das Schwimmen in mein Training integrieren oder auf kurze Belastungen beim Crosstraining setzen, die meinen Beinen nicht so sehr zusetzten wie die langanhaltende Belastung bei einem Lauf.

Und eine sehr wichtige Lehre aus dem vergangenen Jahr, die man nicht oft genug prophezeien kann, ist: “Hört auf euren Körper!”. Hierfür bin ich in den letzten Jahren ein schlechtes Beispiel gewesen und ich denke, an dieser Stelle muss sich der ein oder andere Läufer auch an die eigene Nase fassen. Die Einstellung “Was von selbst kommt, geht auch von selbst!” oder “Schmerzen läuft man am besten einfach raus!” klingt für Läuferohren zwar sehr logisch, kann aber viele anfänglichen Wehwehchen manifestieren und intensivieren. Daher sollte man bei Beschwerden auf seinen Körper hören und direkt pausieren, bevor man es mit halbherzigem Weiterlaufen verschlimmert und letztlich nur noch länger ausfällt als es eigentlich nötig gewesen wäre. Genau das habe ich bei meiner Plantarfasciitis erfahren dürfen. Durch einige Horrorgeschichten abgeschreckt, habe ich sehr schnell die Laufschuhe Laufschuhe sein gelassen und konnte so hoffentlich eine langfristige Entzündung und eine mehrmonatige Laufpause abwenden.

In diesem Sinne lasse ich das Jahr nun entspannt ausklingen und gönne mir in den letzten Tagen vielleicht noch ein paar vorsichtige Laufkilometer bevor es dann in ein neues ungerades Jahr geht, was hoffentlich wieder ähnlich gut verläuft wie andere ungerade Jahre.

Euch wünsche ich einen guten Rutsch ins Jahr 2019, möchte mich für eure Treue in diesem Jahr bedanken und freue mich, wenn ihr auch im nächsten Jahr wieder regelmäßig bei mir vorbeischaut!

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