Lipödem & Sport

Ein jede Betroffene, die die Diagnose Lipödem erhält, hat meistens bereits eine Odyssee durch sämtliche Sportarten hinter sich, um dem krankhaften Fett in irgendeiner Form Herr zu werden. An dieser Stelle sei allerdings noch einmal gesagt: Lipödem Fett kann nicht abgenommen werden, weder durch Sport noch durch diätische Ernährung!

Dennoch macht es Sinn, die körperliche Betätigung und gesunde Ernährung nicht zu vernachlässigen, denn auch wenn das “kranke” Fett sich nicht vertreiben lässt, so kann man zumindest dafür sorgen, nicht übermäßig “gesundes” Fett einzulagern. Denn dieses ist eine unnötige zusätzliche Belastung für den Körper.
Zum einen erhöht sich mit zunehmendem Gewicht die Wahrscheinlichkeit für Begleiterkrankungen, welche typischerweise mit Übergewicht einhergehen. Zum anderen ist das Lipödem-Fett bereits eine Belastung für die Gelenke und den gesamten Bewegungsapparat, die nicht selten zu Fehlstellungen und Überlastungsproblemen in den unteren Extremitäten sowie der Hüft- und Begen-Region führt. Ein zusätzliches “Zu viel” an gesundem Fett würde diese Belastung nur potenzieren.

Darüber hinaus fällt sportliche, aber auch alltägliche Bewegung zunehmend schwerer, was unbewusst in einem weniger aktiven Lebensstil resultiert. Der dadurch geringere Kalorienverbrauch und ein, beim Lipödem typischerweise, sowieso verlangsamter Stoffwechsel bedingt wiederum eine weitere Gewichtszunahme, so dass Betroffene diesen Teufelskreis nicht selten aus eigener Kraft gar nicht mehr durchbrechen können.

Neben diesen, eigentlich auf der Hand liegenden, Punkten gibt es aber auch noch ein weiteres Argument für Sport, trotz oder gerade wegen Lipödem. Und zwar verringert sich das Risiko, ein Lip-Lymphöden zu entwickeln.

Aber welche Sportarten sind für Lipödem-Betroffene überhaupt geeignet und worauf sollte man achten, um das Krankheitsbild nicht zu verschlimmern und bestenfalls den Fortschritt aufzuhalten sowie die Symptome zu lindern?

WELCHE AUSDAUERSPORTARTEN EIGNEN SICH?

Man soll den Sport ausüben, der einem Spaß macht. Andernfalls verliert man schnell die Lust und bleibt nicht am Ball. Das gilt für jeden, auch für Lipödem-Patientinnen. Viele Ärzte raten bei der Diagnose Lipödem zu gelenkschonenden Sportarten, wie Nordic-Walking, Crosstrainer oder jegliche Wassersportarten wie Schwimmen, Aqua-Aerobic, etc.. Hintergrund hierfür ist, dass die Gelenke vieler Lipödem-Patientinnen bereits durch das kranke Fett mehr belastet sind als von nicht Betroffenen.

Allerdings trifft dies nur bedingt zu, denn wenn sich das Körpergewicht im Normalbereich befindet und neben dem Ausdauersport auch Muskelaufbau zur Unterstützung und Stabilisierung der Gelenke betrieben wird, dann spricht auch gegen weniger gelenkschonende Sportarten, wie z.B. das Laufen nichts. (Mehr zum Thema Laufen mit Lipödem findet ihr hier.) Beide Punkte sind aber auch für Sportler ohne Lipödem-Diagnose relevant.

WIE HILFREICH IST SCHWIMMEN BEI LIPÖDEM TATSÄCHLICH?

Schwimmen wird als die Ausdauersportart für Lipödem-Patientinnen angepriesen und das zu Recht. Die Bewegung im Wasser hat den gleichen Effekt wie die manuelle Lymphdrainage, auf die viele Patientinnen angewiesen sind. Das Lymphsystem wird angeregt und die überflüssige Lymphflüssigkeit kann abtransportiert werden. Darüber hinaus wirkt der Wasserdruck in einem Schwimmbecken wie eine Kompression, nur um ein vielfaches stärker. Daher sollte man Schwimmen regelmäßig im Trainingsplan berücksichtigen, optimalerweise mindestens einmal die Woche.

Wer mit Schwimmen als Sportart nicht viel anfangen kann, auch andere Sportarten im Wasser wie z.B. Aqua-Aerobic oder Aqua-Jogging sind genauso geeignet und haben den gleichen positiven Effekt.

KRAFTTRAINING TROTZ LIPÖDEM – JA ODER NEIN?

Es gibt einige Ärzte, die Tipödem-Betroffenen vom Krafttraining für Arme und Beine abraten. Einziger Grund hierfür ist aber, dass die Körperproportionen aufgrund von zusätzlicher Muskulatur neben dem Lipödem-Fett noch umproportionaler wirken können. Aus medizinischer Sicht spricht rein gar nichts gegen das Krafttraining bei Lipödem. Ganz im Gegenteil, denn eine gut trainierte Beinmuskulatur unterstützt das Lymphsystem. So wird zum einen die Lymphflüssigkeit besser abgebaut und zum anderen empfinden viele Betroffenen bei regelmäßigem Krafttraining die typischen Tipödem-Schmerzen als nicht so unangenehm.

 Darüber hinaus sollte man nicht vergessen, dass Krafttraining neben dem optischen Effekt, welcher meist am präsentesten ist, auch positive gesundheitliche Effekte mit sich bringt. Einer der wichtigsten Aspekte ist, dass die Muskeln wie eine starke Stütze für den Körper fungieren. Daher ist das Krafttraining insbesondere für Menschen wichtig, die im Alltag sehr viel sitzen oder stehen. Ohne eine gut ausgebildete Stützmuskulatur fällt man sonst schnell in eine Schonhaltung, die sich negativ auswirken kann und langfristig Beschwerden mit sich bringt.

Was beim Krafttraining nicht unterschätzt werden darf, ist die Notwendigkeit mit schweren Gewichten zu trainieren. Auch wenn Frauen meist darauf bedacht sind kleinere Gewichte zu wählen und dafür mehr Wiederholungen auszuführen, um nicht zu viel Muskelmasse aufzubauen. Das ist absoluter Schwachsinn, denn um wahre Muskelberge aufzubauen, um die es bei der Angst vor schweren Gewichten meist geht, muss eine Frau unglaublich viel trainieren (aus genetischen Gründen um ein vielfaches mehr als ein Mann). Also wird man diese auffälligen Muskeln nicht über Nacht aufbauen und kann sich getrost an schwerere Gewichte wagen, um auch einen Trainingseffekt zu bemerken.

WIE WICHTIG IST DIE KOMPRESSIONSBESTRUMPFUNG BEIM SPORT?

Auch wenn die Kompressionsbestrumpfung von vielen Patientinnen als sehr lästig wahrgenommen wird und insbesondere beim Sport untragbar erscheint, sollte man es zumindest probieren sie zu tragen. Auch ich habe mich lange dagegen gesträubt, die Flachstrickkompression beim Sport und beim Laufen zu tragen. Bestärkt durch die Aussagen meiner Ärzte, dass mein Gewebe auch ohne Kompression beim Sport auskommt, habe ich bei jeglicher körperlicher Betätigung auf die Unterstützung durch die Flachstrickkompression verzichtet.

Nach etwas Recherche im Nachhinein, weiß ich aber, dass dies ein Fehler war. Denn die Kompression unterstützt das gesamte Lymphsystem sowie Muskeln und Venen dabei das Blut in Richtung Herz sowie die Lymphflüssigkeit in Richtung Lymphknoten zu transportieren. Ohne die Kompression besteht die Gefahr, dass Flüssigkeit im Gewebe versackt und es zu einem Lymphödem kommt.
Darüber hinaus kann die Flachstrickkompression ihre wahre Funktion erst entfalten, wenn man sich bewegt. Denn die Kombination der Kompression sowie der Muskelaktivierung sorgt dafür, dass ein Mikromassageeffekt erzeugt wird, welcher den Lymphabfluss anregt.

In der Heilzeit nach den Liposuktionen ist Sport ohne Kompression allerdings nicht möglich, daher habe ich mich in dieser Zeit an die Flachstrickkompression beim Laufen und jeglichen anderen Sportarten gewöhnt. Und auch wenn es die ersten 1-2 Trainingseinheiten ungewohnt war, so habe ich mich sehr schnell an die medizinische Unterstützung gewöhnen können. Mittlerweile merke ich die zusätzliche Lage gar nicht mehr und dank der speziellen Fasern aus denen die Kompression gestrickt ist, wird die vom Körper produzierte Wärme auch relativ gut abtransportiert. Im Sommer hat man zumindest bei Sport im Freien die Möglichkeit, die Kompression regelmäßig zu befeuchten, um so von der Verdunstungskälte zu profitieren

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