Köln Halbmarathon 2019 – Generalprobe für Frankfurt

Am 13. Oktober war es mal wieder Zeit für den Köln Halbmarathon direkt vor der eigenen Haustür. Der Wettkampf steht seit einigen Jahren fest in meinem Terminkalender. Aber bei so einer großen Laufveranstaltung in der eigenen Stadt kann man als Läufer auch nur schwer auf dem heimischen Sofa bleiben und die Füße still halten.

MEINE VORBEREITUNG

Wie schon bei meinem Halbmarathon in Düsseldorf Anfang September ging es auch in Köln nicht wirklich um den Halbmarathon, sondern auch dieser Lauf war ein Teil meiner Vorbereitung auf mein größeres Ziel Ende Oktober, den Frankfurt Marathon.

Dementsprechend gab es keine spezifische Vorbereitung für das Ziel Halbmarathon oder gar eine neue Bestzeit über die Distanz. Aber man weiß ja nie, was bei den vielen Trainingskilometern für den Marathon auch beim Halbmarathon herumkommen kann.

Nachdem das Marathontraining bislang richtig gut lief, kam dann Mitte September das, worauf ich mich insgeheim schon eingestellt hatte. Das erste Wehwechen aufgrund des erhöhten Laufpensums, was nicht so einfach durch Dehnen, Rollen oder einen lauffreien Tag verschwand. Meine Wadenmuskulatur war extrem verhärtet und machte mir meine Trainingseinheiten schwer. Ich versuchte alle Einheiten wie vom Trainer vorgegeben zu absolvieren, aber hier und da musste ich mir dann doch eingestehen, dass eine Trainingspause vielleicht vernünftiger wäre.

So auch in der Woche vor dem Halbmarathon. Am Sonntag zuvor konnte ich zwar noch relativ beschwerdefrei meinen langen Lauf über 32 km mit Tempowechseln laufen, aber in den darauffolgenden Tagen machte sich die Wade und mittlerweile auch noch die hintere Oberschenkelmuskulatur immer lauter bemerkbar. Also kurz mit meinem Trainer kurzgeschlossen, der Halbmarathon sei wichtiger als die Trainingseinheiten davor und somit gab es für mich dann doch ein paar Ruhetage vor dem Wettkampf, der eigentlich voll aus dem Training heraus gelaufen werden sollte.

DER TAG DAVOR

Der Tag vor dem Halbmarathon stand schon ganz im Zeichen des Laufsports. Eigentlich wollte ich den Tag relativ ruhig angehen, wenig auf den Beinen sein und stattdessen eher meine Beine hochlegen und meine Wade für den darauffolgenden Tag schonen. Aber aus einem kurzen Besuch auf der Messe, um die Startunterlagen abzuholen, wurde letztlich ein ganzer Nachmittag. Das war es dann also mit dem Schonen der Beine.

RACEDAY – LET’S GO KÖLLE!

Der Halbmarathon-Sonntag startete, wie jedes Jahr, ziemlich früh. In Köln lohnt es sich als Morgenmuffel definitiv eher den Marathon zu laufen, da der Startschuss hierfür deutlich später fällt. Aber für mich als Starterin beim Halbmarathon klingelte der Wecker bereits um kurz vor sechs.

Nach einem kurzen Frühstück ging es mit der Bahn in Richtung Köln Deutz, wo der Startpunkt des Halbmarathons war. Dort angekommen war schon die Hölle los, daher entschied ich mich kurzerhand mich sicherheitshalber schon 45 Minuten vor dem Start in die Dixie-Schlangen einzureihen. Kein schlechter Schachzug von mir, denn dort wartete ich geschlagene 35 Minuten, bis ich endlich an der Reihe war. Danach nur noch schnell alle überschüssigen Lagen ablegen, Startnummer richten und ab in den Startblock.

Aber falsch gedacht, denn es war bereits so viel los, dass wir nicht annähernd in Richtung Startblock kamen und stattdessen in einem riesigen Menschenpulk, in welchem kein Vor und kein Zurück möglich war, davor warten mussten. Erst nachdem die ersten beiden Startblöcke bereits auf der Strecke waren, kamen wir mit dem Startschuss für unseren Block in Bewegung und konnten uns langsam in unserem Startblock einfinden und Richtung Startlinie wandern.

Zu den Klängen von Kassalla ging es über die Startlinie, um dann, wie in jedem Jahr, in der ersten Kurve erst einmal wieder ins Gehen zu verfallen. Tatsächlich bin ich das von dem Start in Köln bereits gewohnt, aber in diesem Jahr hatte ich das Gefühl, dass noch mehr Starter als sonst auf der Strecke waren.

Nach der kurzen Gehpause ging es weiter über die Deutzer Brücke auf die rechte Rheinseite. Die Straßen wurden breiter, das Läuferfeld entzerrte sich allmählich und endlich blieb genug Platz, um frei zu laufen. Ich lief mich ein und war überrascht, wie schmerzfrei es nach den paar trainingsfreien Tagen plötzlich lief. Ich war mit einer 6:00 bis 6:15er Pace unterwegs und fühlte mich überraschend gut.

Die Stimmung an der Strecke war gut und die Wetterbedingungen waren einfach nur perfekt zum Laufen. Bewölkt, trocken und angenehme 17 Grad. Und so lief ich weiter in meiner eigentlich etwas zu schnellen Pace durch Köln.
Zweimal ging es vorbei am Rudolfplatz, der jedes Jahr wieder das Highlight der Strecke ist. An der Strecke reihen sich Zuschauer mit Plakaten mit Motivationssprüchen, Tröten, Megafonen und jeglichen Krachmachern, um die Läufer tatkräftig anzufeuern. Als Läufer fühlt es sich so an, als ob man von den Zuschauern durch diesen Streckenabschnitt regelrecht durchgepeitscht wird. Der Puls geht hoch, die Beine laufen schneller und danach ist die Motivation für die nächsten Kilometer bis zum nächsten Stopp am Rudolfplatz wieder aufgeladen.

Ab Kilometer 13 merkte ich von jetzt auf gleich meine Wade. Und nicht nur das, mein Oberschenkel machte sich direkt noch dazu bemerkbar. Auch wenn ich insgeheim schon damit gerechnet hatte, dass mich das Wehwehchen irgendwann auf der Strecke wieder einholen würde, so war ich dennoch enttäuscht. Bis zu dem Zeitpunkt war es so gut gelaufen und konditionell hätte ich die für mich recht flotte Pace irgendwie bis zum Ende halten können. So hätte es vielleicht sogar zu einer neuen Bestzeit reichen können und das ohne Pacer an meiner Seite. Aber daran musste ich an der Stelle keinen weiteren Gedanken mehr verschwenden, denn nun hieß es erst mal, mich und mein Bein irgendwie ins Ziel zu bringen.

Ich lief also weiter. Aber mit den muskulären Problemen war an lange Schritte nicht mehr zu denken und gefühlt stakste ich nur noch irgendwie in Richtung Ziel. Ich nahm also Tempo raus und begann ab da einfach nur die Kilometer herunter zu zählen. Etwas anderes machte auch keinen Sinn und wäre angesichts des größeren Ziels, dem Marathon zwei Wochen später, auch nicht vernünftig gewesen.

Ein letztes Mal vorbei am Rudolfplatz, der mich leider diesmal nicht mehr ansatzweise so sehr erheitern konnte, wie die zwei Male zuvor. Aber von dort war es wenigstens nicht mehr allzu weit bis zum Ziel. Nur noch eine Runde um den Neumarkt und dann ging es auch schon auf den letzten Kilometer über die Hohe Straße in Richtung Dom, dem Ziel.

Der letzte Kilometer über die Hohe Straße zog sich. Mein Bein hatte so gar keinen Bock mehr und auch meinen Kopf konnte ich mit dem Gedanken an das nahende Ziel nur schwer motivieren. Aber jetzt aufgeben wäre in der Tat etwas blöd, zumal im Ziel mit der angekündigten Holzmedaille ja auch eine etwas außergewöhnlichere Medaille auf uns wartete. Also weiter ging es und als es dann nach einer gefühlten Ewigkeit endlich um die Kurve ging und der Zieleinlauf vor mir lag, gab ich trotz der Probleme mit dem Bein noch einmal etwas Gas und lief endlich über die Ziellinie.

Im Ziel angekommen galt es erst einmal zwei Dinge zu prüfen. Die Zielzeit und den Status meiner Wade. Mit 2:15:53 auf der Uhr war leider nicht mal annähernd eine neue Bestzeit herausgekommen, aber da das auch nicht das primäre Ziel des Laufs war, Haken dran. Die Wade war anscheinend alles andere als erfreut über die vergangenen 2 1/4 Stunden, so dass ich den Gang zur Medaillenausgabe und zum reichhaltigen Finisher-Buffet nur noch humpelnd angehen konnte.

Aber schon nach wenigen Stunden konnte ich wieder fast normal laufen und in der folgenden Woche mein Marathontraining erfolgreich fortsetzen. Also glücklicherweise war meine Wade nicht langfristig beleidigt.

MEIN FAZIT

Der Köln Halbmarathon gehört für mich schon seit mehreren Jahren fest in den Kalender (hier findet ihr meine Berichte zu 2017 und 2018). Auf die Kölner ist einfach Verlass und auch trotz des frühen Starts des Halbmarathons finden sich immer wieder zahlreiche Zuschauer an der Strecke ein und feiern die Läufer mit johlenden Anfeuerungsrufen und Karnevalsmusik. Hinsichtlich der Stimmung macht keine andere Stadt in Deutschland Köln etwas vor. Aber leider gab es in diesem Jahr ein paar Punkte, die mir negativ aufgefallen sind.

Zum einen gibt es in Köln nach wie vor nicht die Möglichkeit, bei Krankheit oder Verletzung seinen Startplatz umzumelden. Das führt zum einen dazu, dass viele Läufer unter falschem Namen auf die Strecke gehen und zum anderen leider auch, dass Läufer nicht ganz fit an den Start gehen.

Ein weiterer Punkt war die Menge an Startern beim Halbmarathon. Bereits vor dem Start hat man gemerkt, dass der Ottoplatz in Deutz nicht für die vielen Menschen ausgerichtet ist und auch auf der Strecke hat sich das Läuferfeld in diesem Jahr gar nicht richtig entzerren können. Selbst auf den letzten zwei Kilometern war es hier und da noch so voll, dass man darauf achten musste nicht über die Beine der anderen zu fallen. An dieser Stelle sollte man sich als Veranstalter besser die Frage stellen, ob 16.000 Läufer für eine Stadt wie Köln nicht vielleicht einfach eine Nummer zu viel sind. Auch hinten raus im Ziel gab es unglaublich lange Wartezeiten und es dauerte ewig, bis sich die Läufermassen erst einmal aus dem Zielbereich herausgeschoben hatten.

Ein letzter Punkt war der Standort der Marathonmesse, die in diesem Jahr weit außerhalb der Stadt in der MOTORWORLD Köln am Butzweiler Hof stattfand. Insbesondere für weit angereiste Läufer, die sich in Köln wohlmöglich nicht auskennen, ist es ärgerlich für die Startunterlagen erst einmal eine halbe Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Gegend zu gondeln.

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