EVL Halbmarathon 2018 – Über Stolpersteine ins Ziel

Am 10.06.2018 hieß es für mich endlich wieder EVL Halbmarathon in Leverkusen. Mein absoluter Lieblingslauf ging das 18. Mal an den Start und ich war Teil der rund 5.000 gemeldeten Läufer. In diesem Jahr durfte ich erfreulicherweise als Botschafterin mit dabei sein und konnte so meine insgesamt schon siebte Teilnahme an der Veranstaltung – sowohl Halbmarathon als auch 10 km Lauf – perfekt machen.

MEINE VORBEREITUNG

Meine Vorbereitung auf die Halbmarathondistanz fiel dieses Mal eher Freestyle-mäßig aus. Ich hatte eine grobe Vorstellung, welche Trainingseinheiten es in der Woche zu absolvieren galt, hielt mich aber nicht an einen konkreten Trainingsplan. Zum einen weil es der Alltag leider oft nicht hergab und zum anderen weil es mit Trainingseinheiten nach Lust und Laune einfach doch mehr Spaß macht.

Die ersten Trainingswochen fokussierte ich mich auf die längeren Läufe und auf meine mittellangen Dauer- und Tempoläufe. So lief ich regelmäßig 17-20 Kilometer und baute auch einige längere Einheiten im Bergischen Land mit entsprechenden Höhenmetern mit in mein Training ein.

Fünf Wochen bevor es an den Halbmarathonstart gehen sollte, ging es für mich auf die Strecke des 9-Meilen-Laufs in Leverkusen. Über eine Distanz von 14,4 Kilometern wollte ich schauen, was die Beine so können. Und sie konnten tatsächlich so einiges, so dass ich für den Halbmarathon frohen Mutes war. In den letzten Wochen, die mir noch für die Vorbereitung blieben, ergänzte ich meine Trainingswochen noch um Intervalleinheiten, um noch ein wenig mehr Tempo aus den Beinen herauszukitzeln. So fühlte ich mich bei den letzten Longruns gut vorbereitet auf den Halbmarathon und war entschlossen, dass an dem großen Tag die 2:10 h fallen sollten.

DIE TAGE DAVOR

An dieser Stelle gehe ich normalerweise immer auf den Tag davor ein. Wie lief der letzte Lauf vor dem Wettkampf? Und wie verliefen die letzten Vorbereitungen wie auch die Startunterlagenabholung? Dieses Mal muss ich allerdings ein bisschen weiter ausholen.

Anfang der Wettkampfwoche, genauer gesagt am Dienstag, holten mich starke Halsschmerzen und weitere Erkältungssymptome ein. Ich ließ Vernunft walten und versetzte mich sofort in den Genesungsmodus. Das heißt Homeoffice statt zugigem Büro und Husten-Bronchial-Tee statt Kaffee. Auch die letzten Trainingseinheiten die ich mir für die Woche noch vorgenommen hatte mussten ausfallen, um pünktlich zum Sonntag wieder einigermaßen fit an der Startlinie stehen zu können.

Bis zum Samstag hatte ich mich tatsächlich gut regeneriert. Die Halsschmerzen waren so gut wie verschwunden und auch die restlichen Symptome waren Geschichte. Also wagte ich mich auf meinen traditionellen Shake-Out-Run. Dieses Mal weniger um die Beine auszuschütteln, sondern eher um zu sehen wie es nach der kurzen Zwangspause um meine Kondition bestellt war. Die 5,2 km gingen mir ganz gut von den Füßen, aber dennoch war die Herzfrequenz noch höher als gewohnt. Also beschloss ich mein Zeitziel für den Folgetag zu verwerfen und den Lauf einfach auf mich zukommen zu lassen.

Nach dem kurzen Lauf ging es zur Abholung der Startunterlagen, was bei der Veranstaltungsgröße immer eine entspannte Angelegenheit ist und danach für den restlichen Nachmittag zurück in den heimatlichen Garten zur weiteren Entspannung für den nächsten Tag.

#WILLSTDUMITMIRLAUFEN – RACEDAY

Der Wettkampftag startete wie immer früh. Um 6:45 Uhr klingelte der Wecker und nach einem kurzen Frühstück brach ich schon auf in Richtung Opladen Zentrum. Dort angekommen herrschte schon reges Treiben. Schnell den Kleiderbeutel abgegeben, einen kurzen – mit 20-minütiger Wartezeit – Abstecher auf der Toilette gemacht und schon war es Zeit um sich langsam in den Startbereich zu begeben.

Nachdem es in der Nacht stark gewittert und geregnet hatte, waren die Temperaturen glücklicherweise ein wenig abgekühlt. Dafür hing aber eine unangenehme Schwüle in der Luft und Leverkusen glich ein wenig den Tropen. Aber gut, das Wetter ist das letzte was man beeinflussen kann, also wenigstens glücklich sein, dass die Sonne nicht so erbarmungslos vom Himmel scheint wie angekündigt und stattdessen ein paar Wolken aufgezogen sind.

Punkt 9 Uhr fiel der Startschuss und zwei Minuten später lief auch ich über die Startlinie auf die Strecke. Definitiv ein Vorteil an kleineren Laufveranstaltungen, dass man sich die ewigen Wartezeiten im Startbereich erspart. Kilometer 1 lief ich noch recht euphorisch an. Sollte ich über Nacht überraschenderweise wieder zu vollen Kräften zurückgefunden haben, dann würde ich das spätestens jetzt merken und die nächsten 20 Kilometer voll durchstarten können. Leider musste ich mir schnell eingestehen, dass dem nicht so war und nahm das Tempo leicht raus.

Zwischen Kilometer 2 und 3 traf ich ein paar Leute von Instagram, die sich gemeinsam das Ziel 2:20 h gesetzt hatten. Ich lief ein wenig mit ihnen, merkte aber schnell, dass meine Herzfrequenz deutlich höher war als sonst. Angesichts der gerade erst überstandenen Erkältung traf ich die einzig richtige Entscheidung, ließ meine Mitläufer ziehen, nahm weiter Tempo raus und lief fortan mit Blick auf die Pulsuhr mit einer 6:45er Pace weiter.

Die Strecke war – wie jedes Jahr – eine Freude. Es ging mal ein wenig hoch, mal ein wenig runter. Mal durch den Wald, mal durch Wohngebiete. Langweilig wird einem bei der Strecke auf keinen Fall. Bis Kilometer 11 kam ich so mit meiner Strategie und meiner Pace ziemlich gut zurecht. An dieser Stelle ging es für eine Stadionrunde hinein in die Bayarena. Selbst als jemand mit absolut neutraler Haltung gegenüber Fußball muss ich sagen, dass die Stadionrunde wirklich beeindruckend ist. Das große Spielfeld und die hohen Zuschauerränge sieht man nicht alle Tage.

Aber zusammen mit der Fußballeuphorie nach Verlassen des Stadions entflohen auch meine Kraftreserven. Ab Kilometer 12 musste ich weiter deutlich das Tempo reduzieren um meine Herzfrequenz in Schach zu halten. Also hieß das, dass ich manche Kilometer mit einer Durchschnittspace von 7:30 durchlief. Ab Kilometer 15 nutzte ich die Verpflegungsstationen für kurze Gehpausen, um in Ruhe zu trinken und ein wenig Kraft zu sparen. Und nun hieß es nur noch Kilometer herunterzählen und sich selbst gut zuzureden „Jetzt nur noch so weit, wie die kurze Runde im Wald.“, „Jetzt nur noch so weit, wie vom Rheinufer bis nach Hause.“, etc..

Bei Kilometer 19 ging es den traditionellen Todesberg hinauf, den ich glücklicherweise noch einigermaßen kraftvoll bezwingen konnte. Und dann ging alles auf einmal ganz schnell – auch wenn die Aufzeichnungen meiner Laufuhr dies nicht unbedingt widerspiegeln. Die letzte Verpflegungsstation, die letzten 2 Kilometer mit konstantem leichten Anstieg und dann durfte ich auch schon auf die Zielgerade einbiegen, die für einen gelungenen Schlussspurt erfreulicherweise bergab geht.

Da war es endlich, das langersehnte Ziel. Schnell die Laufuhr gestoppt, die Zielzeit darauf keines Blickes gewürdigt und erst einmal von einem kleinen Jungen meine wohlverdiente Medaille in Empfang genommen. So rührend es auch ist, dass kleine Kinder die Medaillen verteilen. Die Kniebeuge, damit der Kleine die Medaille überhaupt über meinen Kopf streifen konnte, hätte ich mir nach den 21 Kilometern lieber erspart.

Im Zielbereich habe ich mir noch schnell ein paar Wasserbecher gegönnt und dann ging es auch schon weiter zum Botschafter-Treffen mit Fotoshooting. Nachdem ich nach dem Trubel ein wenig zur Ruhe kommen konnte, wagte ich nun auch endlich den Blick auf die Laufuhr. Meine Zielzeit lag bei 2:31:09 h. Ganze 20 Minuten langsamer als mein ursprüngliches Ziel und ganze 15 Minuten langsamer als im letzten Jahr bei deutlich härteren Wetterbedingungen.

MEIN FAZIT

Der EVL Halbmarathon ist jedes Jahr wieder mein persönliches Highlight. Ich freue mich auf den Tag wie ein Kind auf Weihnachten. Daher war es für mich auch eine besondere Freude, dieses Jahr als Botschafter mit dabei sein zu dürfen. All das machte es mir aber auch besonders schwer, als es kurzzeitig so aussah, möglicherweise nicht an den Start gehen zu können. Dass es letztlich doch noch geklappt hat, freut mich ungemein. Auch wenn es nach dem wochenlangen Training natürlich in der Seele schmerzt, dass ich nicht mal versuchen konnte meine anvisierte Zielzeit zu erreichen. Aber der Versuch mein Ziel doch noch zu erreichen wäre zum einen verdammt unvernünftig gewesen und zum anderen hätte es einfach nicht geklappt. Bei meiner körperlichen Verfassung hätte ich so vermutlich spätestens auf halber Strecke keuchend über dem Zaun gehangen und hätte keinen weiteren Meter mehr tun können. So habe ich es lieber ruhig angehen lassen, die Distanz den Umständen entsprechend sehr gut bewältigen können und mir die schicke Medaille gesichert, die es in diesem Jahr gab.

Zur Veranstaltung muss ich gar nicht mehr so viel sagen. Wer meinen Blogbeitrag vom letzten Jahr gelesen hat, weiß wie begeistert ich von dem Event inklusive Organisation und Helfer bin.  Und daran hat sich in diesem Jahr tatsächlich null komma nix geändert. Wieder einmal hat sich der EVL Halbmarathon mit einer perfekten Organisation und motivierten, herzlichen Helfern von seiner besten Seite gezeigt.

Daher ist es für mich gar keine Frage, dass ich nächstes Jahr wieder mit dabei sein werde. Markiert euch den 16. Juni 2019 in eurem Kalender, wenn der EVL Halbmarathon in seine 19. Auflage startet.

Und was meine verpasste Zielzeit angeht. Der nächste fest geplante Halbmarathon ist der im Rahmen des Köln Marathons Anfang Oktober. Sollte ich aber in der Zwischenzeit noch einen geeigneten Halbmarathon finden, werde ich auf jeden Fall schon vorher versuchen mein gescheitertes Vorhaben vom Sonntag in die Tat umzusetzen.

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