9-Meilen-Lauf 2018 – Über Pacer, Gegenwind & Bestzeiten

Nachdem in den letzten Wochen die Läuferwelt aus dem Winterschlaf erwachte und über meinen Instagram-Feed immer häufiger Wettkampfatmosphäre von den metropolen Laufveranstaltungen in Berlin, Hamburg und Düsseldorf verbreitet wurde, kribbelte es auch mir wieder in den Füßen. Also entschied ich mich kurzerhand etwa eine Woche vor Start der Jubiläumsauflage des 9-Meilen-Laufs in Leverkusen für meine Teilnahme. Der letzte Wettkampf in Egmond aan Zee im Januar lag nun schon einige Zeit zurück und der nächste Wettkampf im Juni, der EVL Halbmarathon in Leverkusen, sollte auch noch ein paar Wochen auf sich warten lassen. Wieso also nicht den Feiertag am 1. Mai 2018 nutzen, eine ungewohnte Distanz in Angriff nehmen und für den Halbmarathon testen was aktuell in den Beinen steckt?!

MEINE VORBEREITUNG

Aufgrund des recht spontanen Starts gab es für mich keine spezifische Vorbereitung. Der Trainingsplan für den Halbmarathon ist zwar im vollen Gange, allerdings verfolge ich diesen aktuell eher in der Freestyle-Variante. Das heißt, eher weniger Einheiten weil neben dem Alltag und dem restlichen Sportprogramm einfach viel zu wenig Zeit bleibt. Dafür aber längere Einheiten als vom Trainingsplan gefordert. Spezifische Einheiten für das Tempotraining bleiben aktuell noch komplett auf der Strecke, daher durfte ich hinsichtlich meiner Wettkampf-Pace nicht allzu große Wunder erwarten. Dennoch wollte ich den Lauf als Leistungscheck für den anstehenden EVL Halbmarathon Anfang Juni nutzen und mir noch einmal ein wenig Motivation für die letzten Trainingswochen holen.

WETTKAMPFTAG

Der Wettkampftag startete entspannt, da der Startschuss der Hauptdistanz, die 9 Meilen, erst um 12 Uhr fallen sollte. Die Wetterbedingungen waren mit Temperaturen um die 15 Grad und sonnigen Abschnitten eigentlich perfekt. Dafür wehte aber ein starker Wind, der mir ein wenig Sorge bereitete. Die letzten Tage hatte ich trainingstechnisch eher mehr als weniger gemacht, also fühlten sich meine Beine nicht mehr allzu taufrisch an. Das in Verbindung mit den fiesen Windböen war sicherlich nicht die beste Kombination, aber auch für diesen Lauf galt: „Es gibt nur ein Hindurch!“

Eine Stunde bevor es losgehen sollte kam ich im Startbereich im Neulandpark in Leverkusen an. Dort kamen bereits die letzten Finisher der 5 km-Distanz ins Ziel und die Kinder machten sich für den 1 km-Lauf bereit. Ohne nennenswerte Wartezeit holte ich meine Startnummer ab und nach einem kurzen Dixie-Besuch, Taschenabgabe und einem kurzen Plausch mit bekannten Mitläufern war es auch schon an der Zeit, sich zum Startbereich zu begeben.

Im Startbereich traf ich auf Yavuz (@run.koellner auf Instagram) mit dem ich schon in Egmond ein paar Kilometer zusammen gelaufen war. Wir tauschten uns kurz hinsichtlich der gesetzten Ziele für den heutigen Lauf aus. Nachdem sich herausstellte, dass er keines hatte und ich insgeheim unter 1:30 h im Ziel sein wollte, bot er mir an zusammen zu laufen und mich ein wenig zu pacen. Kurz noch den Pace-Rechner auf dem Smartphone aktiviert und einstimmig festgestellt, eine Pace von 6:15 Minuten/Kilometer sollten wir doch hinbekommen.

So ging es also um Punkt 12 Uhr über die Startmatte hinauf auf die 9 Meilen lange Strecke (14,4 Kilometer – für alle, die wie ich auch nichts mit der Distanz anfangen können). Die ersten Kilometer liefen locker flockig. Der Wind war zwar deutlich spürbar, machte mir aber zu dem Zeitpunkt noch nicht allzu viel aus. Immer wieder kam von meiner Rechten eine bremsende Handbewegung, da wir in der anfänglichen Euphorie ein wenig zu schnell unterwegs waren. Die ersten beiden Kilometer führten uns noch durch den Neulandpark, bevor es nach draußen in die direkte Umgebung des Parks durch die grünen Abschnitte von Leverkusen ging. Einen großen Teil der Strecke kannte ich bereits vom EVL Halbmarathon, daher wusste ich welche Anstiege an welcher Stelle auf uns warteten.

Bis Kilometer 7 lief es ziemlich gut und ich konnte die geforderte Pace (na gut, wir waren minimal schneller…) ganz gut halten. Aber mir war schon relativ früh klar, dass ich die Pace über die gesamte Distanz nicht gemütlich durchlaufen werden könnte. Der Wind machte mir mittlerweile echt zu schaffen. Nicht unbedingt der Kampf gegen den Gegenwind, sondern eher, dass ich bei starkem Wind plötzlich Probleme habe zu atmen. Dieses Phänomen gepaart mit einer Belastung im deutlich anaeroben Bereich ist nicht unbedingt empfehlenswert. Aber mit einem hartnäckigen Pacer an meiner Seite war an Tempo rausnehmen oder gar Aufgeben nicht zu denken.

Also ging es weiter in Richtung Ziellinie. Die bremsenden Kommentare meines Pacers wurden im Laufe des Wettkampfs merklich weniger, dafür wurde ich regelmäßig dazu animiert unsere Vorläufer zu überholen und die Anstiege mit angezogenem Tempo hochzulaufen. Diese Strategie die Berge zu bezwingen und dafür bergab entspannter rollen zu lassen, war für mich zwar neu, werde ich aber für mein zukünftiges Training in jedem Fall weiter verfolgen. Bei Kilometer 12 ging es über eine Schiffsbrücke, bei welcher ein Schiff als Brücke fungierte. Die Ansage war aufgrund der Rutschgefahr die Brücke walkend zu überqueren, lockeres Traben war aber dennoch drin und so kamen wir nicht ganz so aus dem Tritt wie es bei einem abrupten Gangartwechsel der Fall gewesen wäre.

Nach der Brücke hieß es nur noch Pace halten und die letzten 2,4 Kilometer bis zum Ziel hinter sich bringen. Der Wind konnte sich auf den letzten Metern nicht so recht entscheiden ob er mit oder gegen uns arbeiten wollte. Von Rücken-, Seiten- und Gegenwind war alles dabei. Und was natürlich zusätzlich nicht fehlen durfte waren zwei Anstiege die es vor der langersehnten Ziellinie noch zu bezwingen galt. Unter motivierenden Worten von Yavuz konnte ich unsere Pace trotz der Höhenmeter einigermaßen halten und quälte meine mittlerweile müden Beine nach oben.

Dadurch, dass ich mich während des Laufs komplett auf die Ansagen meines Pacers verlassen hatte und selbst überhaupt keine Ahnung hatte wie mein Zielzeitvorhaben aussah, musste ich kurz vor der Zielgeraden (bzw. beim heutigen Lauf eher ein Zielrondell) erst einmal einen Blick auf die Laufuhr werfen. Sie zeigte 01:28:xx an und schnell war klar, dass mein Ziel von unter 01:30 h zum greifen nah war. Also die letzten Meter noch einmal die Beine in die Hand genommen und mit einer Netto-Zeit von 01:29:16 die Ziellinie überquert.

Ziel erreicht. Generalprobe für den EVL Halbmarathon bestanden. Weiter geht’s im Training.

MEIN FAZIT

Der Lauf hätte für mich nicht besser laufen können. Es war mein erster Lauf mit einem Pacer an meiner Seite. Mit einem Mitläufer, der einen unermüdlich auf ein konstantes Tempo hinweist, sinkt das Risiko zu schnell loszulaufen gen Null. Und auch wenn ich schon mehrfach am eigenen Leib erfahren durfte wohin ein zu schneller Start führen kann, ist dies mein allergrößtes Problem bei allen Wettkampfdistanzen über 10 km. Darüber hinaus fällt ein nicht zu unterschätzender Anteil an mentaler Arbeit weg, denn sobald es härter wird heißt es nur noch „Hinterherlaufen“ bis die Ziellinie überquert ist. So konnten wir die 14,4 Kilometer in einem ziemlich konstanten Tempo laufen, welches ich alleine rein mental nicht durchgezogen hätte.

Die neue Bestzeit, wenn auch auf einer vorher nicht offiziell gelaufenen Distanz, gibt mir jetzt noch einmal neue Motivation für mein Halbmarathontraining und lässt neue Gedankenspiele hinsichtlich anvisierter Zielzeit für die 21,975 Kilometer zu, auch wenn dafür noch ein wenig Tempotraining nötig ist. 

Der 9-Meilen-Lauf in Leverkusen ist eine kleine, aber feine Laufveranstaltung. Die Startgebühr ist mit 15 Euro mehr als human und für das Geld gibt es sogar eine Finishermedaille. Neben der Hauptdistanz, den 9 Meilen (14,4 Kilometer) gibt es die Möglichkeit 5 Kilometer zu laufen sowie ein Doppelstart bei beiden Distanzen. Für beide Distanzen gibt es auch für Walker die Möglichkeit zu starten. Darüber hinaus gibt es eine Kurzdistanz für Kinder.

Das Starterfeld ist mit etwas über 400 Starten über alle Distanzen überschaubar, daher ist die Atmosphäre im Start- und Zielbereich auch eher entspannt. Aber der Lauf bietet alles, was ein Lauf braucht. Verpflegung auf der Strecke und im Zielbereich in Form von Wasser, Iso und Bananen und ein gut gelauntes Starterfeld. Generell muss ich bei allen Laufveranstaltungen in Leverkusen immer wieder feststellen, dass die Stimmung im Läuferfeld auffallend fröhlich, gesellig und fair ist.

Die Strecke führt durch die idyllischeren und ländlicheren Teile von Leverkusen, was aufgrund der Veranstaltungsgröße aber auch dazu führt, dass so gut wie keine Zuschauer an der Strecke stehen. Es gibt ein paar leichte Anstiege, die Flachland gewohnte Läufer sicherlich schon herausfordern können. Für einen Tempolauf ohne jegliche Steigungen eignet sich die Strecke also nicht.

Der Lauf fällt jedes Jahr auf den 1. Mai, was zwar einen ausschweifenden Tanz in den Mai unmöglich macht, dafür aber den Tag der Arbeit deutlich produktiver gestaltet als es nach einer durchzechten Nacht möglich wäre. Gute vier bis fünf Wochen vor dem Start des EVL Halbmarathons in Leverkusen eignet sich der Lauf optimal zur Bestimmung des aktuellen Leistungsstands um die letzten Trainingswochen feinjustieren zu können.

Mein Start beim 9-Meilen-Lauf wird vermutlich nicht der letzte gewesen sein. In Kombination mit dem EVL Halbmarathon und dem Lauf „Rund um das Bayer-Kreuz“ kann man sogar die Leverkusener Laufserie vollmachen, dafür hat es bei mir in diesem Jahr leider nicht gereicht.

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