Meine liebsten Laufstrecken

Ein jeder Läufer kennt zwei Arten von Laufstrecken. Zum einen die Strecken, die eher Mittel zum Zweck sind. Sie machen landschaftlich nicht viel her, die Streckenführung ist eher unspektakulär und im schlimmsten Fall muss man mehrere Runden laufen, um auf eine akzeptable Kilometeranzahl zu kommen. Kurzum, einfach nur eine Strecke zum Trainieren. Dann gibt es aber noch die andere Art von Strecken und zwar die, die unser Herz höher schlagen lassen. Die Strecken, auf die wir uns schon vor dem Lauf so sehr freuen wie ein kleines Kind auf Weihnachten. Die Strecken, auf denen das Laufen noch einmal mehr pure Freude bereitet. Die Strecken, auf denen wir jedes Mal ganz verzückt sind, auch wenn wir – dank der unzähligen Male, die wir sie gelaufen sind – bereits jeden einzelnen Stein und jede Bodenunebenheit kennen.

Auch ich habe – neben einigen ungeliebten Laufstrecken – diese besonderen Strecken, die bei mir jedes Mal erneut die große Laufliebe entfachen.

1. LAUFEN MIT SKYLINEBLICK

Laufen am Main war für mich lange Zeit keine große Freude. Die gerade Strecke am Fluss entlang – immer genau im Blick wie weit man noch laufen muss – war eine mentale Herausforderung für mich. Aber als ich dann irgendwann beschloss im Winter nicht immer auf das Laufband ausweichen zu wollen, versuchten es das Mainufer und ich noch einmal miteinander. Denn die beleuchtete und meist auch in den Abendstunden belebte Strecke am Mainufer entlang bietet sich für Feierabendläufe in der dunklen Jahreszeit an. Und ehe ich mich versehen konnte hatte ich eine neue Lieblingsstrecke hinzugewonnen.

Die Strecke am Mainufer hat zu jeder Jahreszeit einen ganz besonderen Charme. Im Sommer läuft man an den Mainwiesen vorbei, wo die Frankfurter gutgelaunt bei einem Ebbelwoi (Apfelwein) ihren Feierabend genießen. An den ersten warmen Wochenenden im Jahr ist die Strecke meist so voll mit flanierenden Spaziergängern, dass man dank Slalomlauf gerne mal ein paar hundert Meter mehr auf der Uhr hat als sonst. Im Winter hingegen trifft man meist nur Gleichgesinnte die sich trotz Dunkelheit mit ihren Laufschuhen in die Eiseskälte wagen. Aber ganz gleich zu welcher Jahreszeit man auf der Strecke am Main unterwegs ist, jedes Mal bietet sich einem eine unglaubliche Aussicht über die Skyline von Frankfurt. Ganz gleich ob bei Tageslicht oder im Mondschein, ob bei Sonnenauf- oder –untergang. Mit Blick auf die Skyline eine der Mainbrücken zu queren oder den Wolkenkratzern entgegen zu laufen lässt nicht nur das Herz eines Frankfurt-Liebhabers höher schlagen.

Ganz egal, wie lang man laufen kann, möchte oder – laut Trainingsplan – sollte, man kann mit der Strecke entlang des Mainufers so gut wie alle Streckenlängen abdecken. Je nachdem wie viele Kilometer zu laufen sind, läuft man einfach ein bisschen weiter und quert den Main über eine andere der Mainbrücken.

2. BERG-UND-TAL-RUNDE

In meiner Heimat, inmitten des Bergischen Lands, liegt eine weitere meiner absoluten Lieblingsstrecken. Ich nenne sie liebevoll „Berg-und-Tal-Runde“. Die Strecke ist etwas über 10 km lang und startet am Schöllerhof in Altenberg. Von da geht es in den Wald hinein, immer am Fluss Dhünn entlang. Zwischendrin gibt es ein paar kleine Hügel, aber der herausforderndste Anstieg liegt etwa auf der Mitte der Strecke. Dort gilt es auf ca. 500 Metern 200 Höhenmeter zu bewältigen. Oben angekommen wird man aber mit dem Ausblick über die Dhünntalsperre belohnt und darf die Beine direkt wieder auf dem Weg hinab zur Staumauer der Talsperre auslockern, bevor es dann wieder zurück durch den Wald zum Ausgangspunkt der Strecke geht.

Ganz egal wie gut das Wetter ist und wie viele Wanderer oder Mountainbiker unterwegs sind. Die Strecke ist nie überlaufen, da das Wandergebiet relativ groß ist und sich daher die Massen ganz gut verlaufen. Dadurch ist die Strecke perfekt geeignet um beim Laufen den Kopf freizubekommen, einfach mal aus dem Alltag auszusteigen und danach wieder gut gelaunt aus dem Wald zurückzukehren.

Darüber hinaus hat die Strecke für mich auch ein wenig nostalgischen Charakter. Vor einigen Jahren habe ich hier meine Karriere als Freizeitläufer gestartet und die Strecke von 3 Kilometern kam mir damals sehr viel länger vor als die heutigen 10 Kilometer.

3. KAMPF GEGEN DIE NATURGEWALTEN

Jedes Mal wenn es im Urlaub auf die niederländische Nordseeinsel Texel geht, heisst das für mich nicht nur Urlaub auf der Lieblingsinsel mit “koffie verkeerd” im Strandpavillon, Hollandrad fahren, Schafe fotografieren und “lekker softijs” mit Disco-Streuseln essen. Für mich bedeutet ein Aufenthalt auf Texel auch, dass ich dort eine meiner liebsten Laufstrecken direkt vor der Tür bzw. dem Zelteingang habe. Daher haben meine Laufschuhe jedes Mal einen festen Platz in meinem Koffer.

Die Strecke startet auf dem Campingplatz und führt von dort direkt auf den Wanderweg durch die Dünen. Der Weg ist bedingt durch die Dünenlandschaft leicht hügelig. Dadurch, dass Fahrradfahren auf den Wegen untersagt ist und relativ wenige Wanderer unterewgs sind, trifft man auf der ganzen Strecke meist nur auf Kaninchen, Fasane und – wie mir unlängst passiert – auf freilaufende Zottelrinder.

An einem der Strandaufgänge (auf Texel als “Paal” bekannt) – je nach Streckenlänge mal früher oder später – kehre ich dann um und laufe am Strand entlang zurück. Je nach Windrichtung wähle ich meine Strecke so, dass ich auf dem Strandabschnitt optimalerweise Rückenwind habe. Der Lauf durch den Sand ist schon anstrengend genug, da spare ich es mir lieber zusätzlich auch noch gegen den – an der Nordsee üblicherweise sehr starken – Gegenwind ankämpfen zu müssen. Je nach Stand der Gezeiten kann man entweder auf nassem und dadurch härterem und ebenerem Sand laufen oder muss sich eben ein wenig mehr abmühen und im unebenen, knöcheltiefen Sand vor sich hinstapfen, um keine nassen Füße zu bekommen.

Dank der Wetterkapriolen an der Nordsee und der sich wechselnden Gezeiten ist kein Lauf auf Texel so wie der andere. Mal hat man mit starkem Gegenwind zu kämpfen oder kann sich vom Rückenwind regelrecht treiben lassen. Mal sind die Wellen so unberechenbar, dass man bei jedem Laufschritt darauf vorbereitet sein muss über die strömenden Wassermassen zu springen. Mal hat man einen ganz ruhigen Lauf ohne merklichen Wind und mit strahlender Sonne – das ist aber tatsächlich eher der Ausnahmezustand und ja auch irgendwie langweilig.

Loading Likes...

Es gibt noch keine Kommentare.

Kommentar schreiben

*

Zustimmung zur Datenspeicherung lt. DSGVO