EVL Halbmarathon 2017 – Sonne, Schweiß & Siegerlächeln

Am 11.06.2017 ging es für mich zum wiederholten Male an die Startlinie des EVL Halbmarathons in meiner Geburtsstadt Leverkusen. Für mich ist der Lauf unweit der heimischen Haustüre mittlerweile schon eine Pflichtveranstaltung geworden.2012 bin ich hier meinen ersten Halbmarathon gelaufen und – insbesondere seitdem ich ein bisschen von der großen, schillernden Laufwelt mit ihren überteuerten und überlaufenen Großveranstaltungen gesehen habe – ist es mein absoluter Lieblingslauf.

MEINE VORBEREITUNG

Nachdem ich beim Halbmarathon in Berlin Anfang April überraschend meine Bestzeit auf der Halbmarathon-Distanz enorm verbessern konnte und das Training in den Folgemonaten extrem gut lief, hatte ich mir für den Halbmarathon im Juni – für mich persönlich – große Ziele gesetzt. Ich wollte die 2:20 h knacken, was bedeutete noch einmal etwa fünf Minuten schneller zu sein als in Berlin. Und das trotz einer weitaus weniger flachen Strecke sowie einem Start in der warmen Jahreszeit.

Meine Trainingsläufe bin ich großteils im Wald gelaufen, was für mich auf meinen Strecken ab 10 km immer mindestens 400 Höhenmeter bedeutete. Diese Routine in den Berganläufen zusammen mit wöchentlichen Intervalleinheiten, welche ich bevorzugt mit der Freeletics Running App laufe, bescherten mir bereits in der Vorbereitungszeit eine verbesserte Pace.
Meine längeren Läufe über 18 Kilometer absolvierte ich auch noch in hügeligerem Terrain, während es dann für die 20 km-Läufe auf die flache Strecke entlang des Mains ging.
Insgesamt ist die Vorbereitung für meine Verhältnisse ziemlich gut verlaufen. In der Vergangenheit hatte ich oft mit Wehwehchen oder grippalen Infekten während meiner Vorbereitungszeit zu kämpfen, so dass ich mindestens eine Woche die Umfänge reduzieren oder sogar komplett pausieren musste. Das lief diese Mal deutlich besser und ich konnte den Trainingsplan direkt im Anschluss an den Halbmarathon in Berlin ziemlich gut durchziehen.

Als sich in der Woche vor dem Halbmarathon herauskristallisierte, dass die Temperaturen am Wettkampftag über der 30-Grad-Marke liegen sollten, verabschiedete ich mich schweren Herzens von meinem ursprünglichen Zeitziel nach unter 2:20 h über die Ziellinie zu laufen. Mein neues Ziel war nun: „Ankommen und mindestens so schnell sein wie in Berlin“.  Aufgrund der hügeligeren Strecke und der deutlich wärmeren Temperaturen als in Berlin wäre dies zu meiner Zielzeit im April bereits eine Steigerung gewesen. Aber es sollte noch ganz anders kommen…

DER TAG DAVOR

Am Vortag des Halbmarathons holte ich gegen Mittag meine Startunterlagen ab. Anders als in Berlin war dies nicht ein eigenes Event an sich, bei welchem man sich schon am Tag vor dem Rennen verausgaben konnte, sondern in zwei Minuten erledigt.

Danach ging es für mich für einen kurzen Shake-Out Run in den Wald. Die Temperaturen waren mit etwa 25 Grad schon relativ hoch und selbst im Wald war es zum Laufen ziemlich warm. Aber da der Folgetag nicht versprach besser zu werden, ergriff ich die Gelegenheit um mich schon einmal ein wenig an die tropischen Temperaturen zu gewöhnen.

Mein kurzer Lauf über etwas mehr als 5 km lief trotz der Wärme richtig gut und für einen Lockerungslauf vor einem Halbmarathon war ich viel zu schnell unterwegs. Dies fiel mir aber erst so richtig auf, als ich fertig war und meine Laufuhr stoppte. Daher gab es im Anschluss nur noch ein paar Dehn- und Mobilisationsübungen sowie 2-3 kurze Steigerungsläufe, ganz wie Jan Fitschen uns das beim Shake-Out Run vor dem Halbmarathon in Berlin gezeigt hatte.

LET’S GO HALBMARATHON

Am Morgen des Halbmarathon-Sonntags ging es relativ früh los. Start war um 9 Uhr und bereits um diese Uhrzeit war es ausreichend warm. Dank des überschaubaren Starterfelds ging es für mich bereits eine Minute nach Startschuss über die Startlinie.

Die ersten Kilometer liefen ziemlich locker. Ich war mal wieder viel zu schnell unterwegs, aber die Beine liefen und liefen. Also nutzte ich die “kühleren” Morgenstunden, um so viel Strecke wie möglich hinter mir zu haben wenn die Sonne dann erbarmungslos auf uns herabscheinen sollte. Im Normalfall eine ganz falsche Herangehensweise, aber irgendwie funktionierte es. Die 10 km-Marke konnte ich sogar mit neuer Bestzeit passieren.

Aber ab 10 Uhr wurde es dann unangenehm heiß. Die Strecke führte zwar hin und wieder durch Waldstücke, aber diese befanden sich eher auf den ersten Kilometern. Also hieß es irgendwie strategisch klug die Schattenstellen auf der Strecke mitzunehmen  und jede einzelne Trinkstation zu nutzen. Ich konnte jede Verpflegungsstation laufend passieren und in der Not auch meinen Trinkstil im Laufen optimieren, um nicht nur 1-2 Schlucke aus dem Becher zu mir nehmen zu können.

Ab km 13 begann dann aber mein persönlicher Kampf. Die Zwischenzeiten waren zwar immer noch über meinen Erwartungen, dennoch brach mein Tempo langsam ein wenig ein und ich kämpfte mich mental von Trinkstation zu Trinkstation. Mittlerweile häuften sich auch die Sanitäter an der Strecke, die sich um kollabierte Läufer kümmerten. Solch ein Anblick ist natürlich nicht der größte Ansporn und führt eher noch einmal dazu, dass man vorsichtiger läuft und ein wenig Tempo rausnimmt.

Ab km 18 ging es dann aber wieder besser und ich konnte das Tempo wieder etwas anziehen. Ich kannte die Strecke und wusste, dass bei km 19 ein fieser Berg anstand und freute mich fast ein wenig darauf, weil dieser nach den vielen hügeligen Läufen in den Vorbereitungswochen kein Problem für mich sein sollte. Und so war es dann auch. Berg hochgelaufen – wenngleich auch nicht ganz so locker flockig wie ich es mir auf den vielen Kilometern zuvor ausgemalt hatte – und dann die weiteren Kilometer mit leichter Steigung, um dann die letzten 500 Meter bergab ins Ziel rollen zu können.

Im Ziel beim Blick auf die Uhr war ich erst mal baff. Ich konnte mein ursprünglich verworfenes Zeitziel noch einmal um etwa 4 Minuten unterbieten und hätte mit einer Zeit von 2:16:02 bei ein wenig angenehmeren Temperaturen möglicherweise sogar die 2:15 h knacken können. Aber gut, man muss auch noch Ziele haben und mit dieser Zeit hätte ich tatsächlich selbst bei optimalen Laufbedingungen nicht gerechnet.

Im Zielbereich gab es für mich dann erst einmal gefühlte 2 Liter Wasser und danach war ich auch schon wieder ziemlich gut auf dem Damm. Ich war selbst überrascht wie gut ich den Lauf trotz der Hitze überstanden hatte.

MEIN FAZIT

Insgesamt war es für mich ein sehr erfolgreicher Lauf. Erneut hat mir ein Wettkampf gezeigt, dass die persönlichen Grenzen sehr viel weiter weg liegen als man manchmal denkt und wie sehr einen eine Horde Mitläufer, eine mitreißende Atmosphäre und eine tickende Uhr zu neuen Höchstleistungen antreiben können.

Ich kann den EVL Halbmarathon nur wärmstens empfehlen und für alle die sich die 21,0975 km noch nicht zutrauen gibt es auch die Möglichkeit an einer Halbmarathon-Staffel oder einem 10 km- und einem 5 km-Lauf teilzunehmen.

Die Startgebühren sind mit 20-25 Euro für die Halbmarathon-Distanz human und die Organisation ist einfach super. Durch die Größe der Veranstaltung fallen lange Wartezeiten weg, was ich echt mit am angenehmsten finde und was einen Start sehr unkompliziert macht. Die Atmosphäre im Läuferfeld ist sehr locker und dank der Mentalität der Rheinländer fast schon ein wenig gesellig. Auch die Helfer an der Strecke sind immer bestens gelaunt und haben, wo nötig, stets einen aufmunternden Spruch parat.

Die Strecke führt sowohl über Asphalt als auch über Waldwege. Es gibt schon ein paar Steigungen, aber diese halten sich im Rahmen. Die Stimmung an der Strecke ist, dort wo sich die Zuschauer sammeln, sehr gut. Allerdings gibt es auch Streckenabschnitte abseits der großen Zivilisation, wo es automatisch relativ ruhig ist. Aber das empfinde ich persönlich nicht als allzu großes Manko.

Für mich ist schon jetzt klar. Ich bin im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder mit dabei und freue mich schon ungemein auf die Strecke durch Leverkusen!

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