Berlin Halbmarathon 2017 – Saisonauftakt Deluxe

Am 02.04.2017 ging es für mich bereits zum zweiten Mal an den Start des Berlin Halbmarathon. Für viele ist das große Laufevent Anfang April ein mittlerweile etablierter Start in die Laufsaison und auch ich könnte mich nach zwei aufeinanderfolgenden Jahren bei der bunten Laufveranstaltung daran gewöhnen, regelmäßig auf diese Weise in die Laufsaison zu starten.

MEINE VORBEREITUNG

Meine Vorbereitung auf die 21,0975 km verlief anfänglich relativ holperig. Bei einem Wettkampf Anfang April kollidiert die 10-wöchige Vorbereitungsphase schnell mal mit der alljährlichen Erkältungszeit. Im letzten Jahr hatte ich damit schon zu kämpfen und auch in diesem Jahr musste ich drei Wochen teilweise komplett aussetzen bzw. mit angezogener Handbremse trainieren, weil auch mich die Grippewelle überrollt hatte. Aber um von vorne herein den Druck rauszunehmen, nicht krank werden zu dürfen – was für gewöhnlich gerade bei solch einem Vorhaben in keiner Weise funktioniert – bin ich ohne jegliche Erwartung an die Halbmarathonvorbereitung sowie die angepeilte Zielzeit gegangen.

Nachdem die Erkältung erfolgreich überstanden war, konnte ich aber in den restlichen Trainingswochen wieder voll durchstarten und eine für mich zufriedenstellende Vorbereitung absolvieren. Neben regelmäßigen Läufen im Wohlfühltempo, ein paar Tempoeinheiten und drei 20km-Einheiten am Wochenende gab es weiterhin meine mindestens drei Trainingseinheiten pro Woche im Fitnessstudio bestehend aus Functional (Zirkel-) Training, Deep Work, Langhanteltraining und Rumpfstabilisation.

Da die letzten Einheiten vor dem Halbmarathon tatsächlich ziemlich gut liefen, beschloss ich den Halbmarathon etwas schneller zu laufen als ursprünglich gedacht. Ich setzte mir keine konkrete Zielzeit, aber Ziel war es in der ersten Hälfte noch gemächlich zu laufen und dann auf der zweiten Hälfte alles rauszuholen was noch geht. Ob das geklappt hat? Einfach weiterlesen.

COUNTDOWN TO HALBMARATHON

Ich bin bereits am Freitag vor dem Halbmarathon nach Berlin gereist und konnte somit ganz entspannt ins Laufwochenende starten. Nach meiner Ankunft und kurzem Check-In im Hotel ging es für mich direkt zur Halbmarathon-Messe am Gleisdreieck zur Abholung der Startunterlagen. Dank meiner frühzeitigen Anreise blieben mir lange Wartezeiten erspart und ich konnte direkt durchlaufen und meine Startnummer in Empfang nehmen. Die Marathonmesse war in diesem Jahr – zur Freude meines Geldbeutels – eher enttäuschend. Sie bestand aus zwei Messehallen, die beide nur zur Hälfte mit Ständen befüllt waren und große Stände wie beispielsweise von Runner’s Point gab es in diesem Jahr nicht. Also blieb es bei einem kurzen Pflichtbesuch und danach ging es für mich weiter in die Stadt, wo ich den Tag bei 25 Grad und Sonne schon fast urlaubsmäßig verbringen konnte.

Am Samstag, dem Tag vor dem Halbmarathon, ging es am frühen Nachmittag zum Shake out Run des Nike Running Club Berlin. Für mich war der Lauf schon fast ein größeres Highlight als der Halbmarathon. Ich habe die Läufe vom NRC immer schon auf Instagram verfolgt und hatte mir fest vorgenommen eines Tages mit der geselligen Truppe zu laufen. An diesem Tag war es nun endlich soweit.

Zusammen mit über 100 Läufern und Jan Fitschen ging es für eine lockere 5 Kilometer-Runde durch Berlin. Die Temperaturen waren ähnlich sommerlich wie schon am Vortag, was uns allen ein wenig Sorge für den Folgetag bereitete. Aber dennoch tat das dem Laufvergnügen keinen Abbruch. Mit wehenden NRC-Fahnen, Musik und alle im passenden „Runner“-Shirt trabten wir durch die Straßen von Berlin. Was für ein Erlebnis! Ich empfehle allen, die mal nach Berlin kommen und die Möglichkeit haben mit dem NRC eine Runde zu drehen – tut es!

Zwischendurch gab es immer wieder Stopps mit Mobilisations- und Dehnungsübungen, um den Körper auf die Belastung am Folgetag vorzubereiten. An der Siegessäule gab es einen längeren Stopp mit Fotosession, bevor es dann mit Steigerungsläufen zurück zum Nike Store auf der Tauentzienstraße ging. Dort gab es ausreichend Wasser um die erhitzten Gemüter etwas abzukühlen, ein geselliges Miteinander unter Läufern und – fast am wichtigsten – Rabatt auf alle Artikel im Store. Also wurde noch fleißig geshoppt, bevor ich dann den restlichen Tag zwischen Sightseeing und florierender Warenwirtschaft in den Berliner Geschäften verbrachte. Nach einem langen Tag mit viel zu vielen Kilometern in den Beinen kehrte ich dann schließlich abends im – von Läufern bevölkterten – Vapiano ein um mein Lieblings-Pre-Halbmarathon-Essen, die Pizza Bruschetta, zu verspeisen und fiel danach müde ins Bett.

BERLIN DOWN THE HALF

Sonntag war dann der langersehnte Raceday. Start war um 10:05 Uhr, für mich ging es nach etwas Wartezeit in der Menge um ca. 10:35 Uhr über die Startlinie. Im Startbereich war es noch recht kühl, trotzdem konnte man es nur im T-Shirt ganz gut aushalten – was für Anfang April schon recht ungewöhnlich ist.
Wie schon geschrieben, war mein Plan die erste Hälfte relativ entspannt anzugehen, um dann in der zweiten Hälfte dann etwas mehr Gas zu geben. Nun gut, soweit der Plan…
Ich lief natürlich viel zu schnell los. Was bei den mitreißenden Läufermassen, den breiten Straßen und der tobenden Stimmung am Straßenrand auch kaum zu vermeiden ist. Trotz des Versuchs meine Beine ein wenig zu bremsen, lief ich in dem viel zu schnellen Tempo weiter und das so locker wie nie zuvor. Ein paar erfolglose Versuche mein Tempo zu drosseln unternahm ich noch, bis ich dann bei Kilometer 3 den Entschluss fasste, das Risiko einzugehen und einfach in dem Tempo weiterzulaufen. Entweder es klappt oder ich muss die letzten 5 Kilometer ins Ziel kriechen.

Und so flogen die Kilometer nur so dahin. Ich war so im Flow, dass ich teilweise sogar fast an den Getränkestationen vorbeigelaufen wäre, weil ich sie einfach viel zu spät wahrgenommen habe. Das gut gelaunte Läuferfeld, die einmalige Stimmung am Streckenrand und die Frühlingssonne haben mich buchstäblich durch Berlin getragen. Dennoch habe ich alle Trinkstationen mitgenommen, denn ein wenig Respekt hatte ich schon vor der Sonne und trotz Läuferansammlungen an den Stationen habe ich es so hinbekommen, dass ich keine einzige Gehpause einlegen musste.

Bei Kilometer 16-18 verflog meine Hochstimmung ein wenig und ich musste mental ein wenig mit mir kämpfen. Es war mittlerweile ziemlich warm und zudem stimmten die Kilometerschilder an der Strecke nicht mehr mit meiner Laufuhr überein. Laut meiner Uhr waren die ausgeschilderten Kilometer viel zu lang, was mich in der mentalen Ausnahmesituation angesichts des fortgeschrittenen Kilometerstands schon einmal in eine kleinkindliche Trotzhaltung versetzen kann.
Nach der nächsten Verpflegungsstation ging es dann aber wieder und meine gute Laune war zurück. Mein Tempo war mittlerweile etwas langsamer als am Anfang, aber dennoch war ich immer noch so schnell unterwegs wie ich es mir nie hätte träumen können. Und vor allem blieb ich vor dem gefürchteten großen Einbruch bewahrt.

Bei Kilometer 20 gab es einen kleinen Anstieg – für Berliner Verhältnisse gar nicht mal so klein. Hier hatte sich glücklicherweise der NRC mit seinem Cheering Point platziert, so dass einem das tosende Anfeuerungskommando mit Konfetti, wehenden Fahnen, wummernder Musik und jubelnden „Runners“ noch einmal den letzten Schwung für die verbleibende Strecke gab. Aber nicht nur das, drei Pacer des NRC machten sich mit mir auf den Weg den „Berg“ zu bezwingen. Wir unterhielten uns ein wenig, scherzten und bevor ich mich versehen konnte war ich auch schon oben und das Ziel in greifbarer Nähe.

Die letzten Meter gab ich nochmal Gas, um dann im Ziel ungläubig meine Laufuhr zu stoppen. Auch wenn ich mir kein Zeitziel gesetzt hatte, war mein Ziel im Kopf die 2:30 h zu knacken. Aber die Zeit, die meine Uhr anzeigte war noch einmal ganze fünf Minuten weniger – 2:24:11 h. Ich war total aus dem Häuschen, hatte aber nicht viel Zeit mich zu freuen. Kurz noch im Zielbereich die Wasserspeicher aufgefüllt, eine Banane auf die Hand und dann musste ich auch schon weiterhetzen, um schnell im Hotel duschen zu können und dann den ICE nach Hause zu ergattern.

MEIN FAZIT

Alles in allem kann ich Berlin jedem empfehlen, der auf imposante Laufveranstaltungen steht. Die Stimmung im Läuferfeld ist großartig, die Leute an der Strecke sind pure Motivation und es ist einfach eine großartige Erfahrung Teil diese Laufparty zu sein. Zudem bietet die Strecke für alle Nicht-Berliner die Möglichkeit ein wenig Sightseeing zu betreiben, ist schön flach und schnell.

Die Startgebühren in Berlin sind natürlich eine andere Hausnummer als bei irgendwelchen Wald-und-Wiesen-Läufen. Mit rund 50 Euro muss man da schon rechnen, bei früher Anmeldung kann man Glück haben und einen der Startplätze um die 40 Euro ergattern. Dafür finde ich aber, dass man für das Geld eine top Organisation geboten bekommt. Der Lauf ist nun mal einer der größten in Deutschland und da bleiben Wartezeiten – ob bei der Startnummernausgabe oder bei der Startlinie – nun mal nicht aus. Dafür, dass aber in diesem Jahr bereits 30.000 Leute zusammengekommen sind, lief überall alles wie am Schnürchen und die Wartezeiten hielten sich tatsächlich in Grenzen.

Für alle Nicht-Berliner kann ich eine Anreise bereits am Freitag empfehlen, sowie die Abholung der Startunterlagen am selben Tag. Zum einen kann man vorher noch etwas von der Stadt sehen und zum anderen ist der Besuch der Halbmarathonmesse deutlich entspannter und weniger zeitintensiv als am Samstag.

Darüber hinaus habe ich bei diesem Halbmarathon die persönliche Erfahrung gemacht, dass in meinen Beinen mehr steckt als sie manchmal im Training vermuten lassen. Also werde ich sie zukünftig gerne mal etwas mehr fordern, um dann beim nächsten Halbmarathon ähnlich verdutzt hinter der Ziellinie zu stehen und meine Zielzeit nicht fassen zu können. Die nächsten Ziele sind bereits gesetzt!

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