Wo laufen sie denn?!

Bei einem Blog mit dem Titel “Laufcordi” kann man sich schon mal fragen, warum läuft diese Cordi eigentlich und wohin läuft sie überhaupt. Daher berichte ich nachfolgend über meine ganz persönliche Laufgeschichte. Aber lest selbst.

Laufen war lange eine meiner meistgehassten Sportarten. In der Grundschule fing es an mit dem jährlichen Mailauf. Es ging darum so viele Runden wie möglich innerhalb einer Stunde zurückzulegen und pro Runde wurde von den vorher rekrutierten Spendern eine Mark für ein Hilfsprojekt in Afrika gezahlt. Ein paar Wochen vor dem großen Lauf wurde regelmäßig trainiert, indem wir auf dem Schulhof hochmotiviert losliefen und hinter dem ersten Baum die Runde dann im gemütlichen Spaziertempo fortsetzten. Also war es nicht verwunderlich, dass der tatsächliche Lauf mit aufmerksamen Lehrern an jeder Ecke eine endlos scheinende Tortur war. Mein treuer Spender war jedes Jahr wieder auf’s Neue meine Mutter, für die sich die Investition dank einer überschaubaren Anzahl gelaufener Runden in Grenzen hielt. Trotzdem war sie natürlich unglaublich stolz auf meine erbrachte Leistung und würdigte den hässlichen blechernen Glasuntersetzer mitsamt Logo der Gemeinde, welchen es jedes Jahr wieder im Ziel gab.

Nach Beendigung der Grundschule gab es außer der allsommerlichen Leichtathletik-Einheiten im Sportunterricht keine großen Begegnungen mehr mit dem Laufsport.
Meinen kurzen Exkurs zum örtlichen Lauftreff machte ein sommerlicher Regenguss schon bei meinem ersten Besuch zunichte. Völlig durchnässt durch den Wald zu hasten ergab für mich zu diesem Zeitpunkt einfach überhaupt keinen Sinn, so dass ich mich weiterhin lieber anderen Sportarten widmete.

Die erste Zuneigung zum Laufen entdeckte ich 2007. Mit Anfang des Studiums ging es für mich auch regelmäßig ins Fitnessstudio. Während der ersten Ferien langweilte ich mich ohne das tägliche Sportprogramm ein wenig in meinem Heimatort fernab meines Fitnessstudios. So kam mir die Idee die Laufschuhe zu schnüren und es noch einmal mit dem so verhassten Sport aufzunehmen.
Und siehe da, es fing an Spaß zu machen. Der erste Lauf war nicht lang. 3 km ging es durch den Wald und mittendrin musste ich sogar eine Pause einlegen. Aber ich blieb dran und die Strecken wurden immer länger und die Pausen immer weniger. Ich war bis dato davon ausgegangen, dass Laufen einfach nicht mein Sport ist und hatte auch nicht den vielen Ratgebern geglaubt, die einen langsamen Anfang und kontinuierliche Steigerung des Pensums prophezeiten um eines Tages ein glücklicher Läufer zu werden. Aber heute muss ich zugeben, sie hatten Recht.

Im Laufe meines Studiums entwickelte sich das Laufen zu einer perfekten Ergänzung zu meinem restlichen Sportprogramm. Während meiner stressigen Bachelorarbeitsphase waren die Läufe im Wald eine willkommene Abwechslung zu den eher hektischen Einheiten im Fitnessstudio. Daher zog es mich mit meinen Laufschuhen immer häufiger in den Wald, meine Laufstrecken wurden länger und schon bald war mir klar, dass ich neue Ziele brauchte.

Somit meldete ich mich für meinen ersten öffentlichen Lauf an. Ziel war zu dem Zeitpunkt die 8-km-Strecke des Women’s Run. In der Vorbereitungszeit wurde mir aber sehr schnell klar, dass ich eine größere Herausforderung brauchte und entschied mich kurzerhand noch vor meinem geplanten ersten Lauf beim Halbmarathon in meiner Geburtstadt zu starten. So kam es also, dass mein erster öffentlicher Lauf – anders als von vielen Laufratgebern empfohlen – bereits die Halbmarathon-Distanz war.

Seitdem sind ein paar Jahre vergangen, in denen ich über einige Start- und Ziellinien gelaufen bin. Es gab viele Hochs, aber auch zahlreiche Tiefs in meinem Läuferdasein. Ich habe fast jede Laufverletzung mitgenommen die es gibt, weswegen leider auch kein Trainingsplan so abgelaufen ist wie er es hätte sollen. Trotzdem bin ich drangeblieben und schätze diese Sportart so sehr wie nie zuvor.
Meine Läufe sind meine Auszeit vom Alltag. Egal wie schlecht meine Laune vor dem Lauf ist – sobald ich meine Laufschuhe geschnürt und meine Laufplaylist auf den Ohren habe, ist diese Laune wie weggeblasen. Es gibt kein schlechtes Wetter für einen guten Lauf, denn egal ob die Sonne scheint, es stürmt oder schneit – jedes Wetter macht das Laufen auf seine eigene Weise reizvoll. Und für das “heldenhafte” Gefühl danach ist ein bisschen schlechtes Wetter in jedem Fall förderlich. Kurzum, nach (fast) jedem Lauf bin ich unglaublich froh diese Sportart für mich entdeckt zu haben und bin für den restlichen Tag nicht mehr so leicht von meinen Laufendorphinen herunterzubringen.

Die nächsten Ziele stehen bereits fest. Schneller werden, meine Zielzeiten verbessern und vielleicht irgendwann mal die Königsdisziplin unter den Läufen, einen Marathon, absolvieren. Aber auf jeden Fall den Spaß am Laufen nicht verlieren!

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